Bienenhaus Renata Bott


Echter Bienenhonig ist ein naturbelassenes Stärkungsmittel, dem seit der Antike heilende Eigenschaften zugeschrieben werden. Neben verschiedenen Zuckerarten und Wasser enthält er Enzyme, Vitamine, Aminosäuren, Pollen, Aromastoffe, Mineralstoffe und Spurenelemente. Honig wirkt leicht entzündungshemmend, was er – neuen Untersuchungen zufolge – seinen Gehalt an Polyphenolen (zum Beispiel als krebsvorbeugend geltender Quercetin) verdankt. Ausserdem können die im Honig enthaltene Inhibine sogar einige Antibiotika-resistente Bakterien abtöten.


Es wird manchmal vor Honig als Fruktosebombe gewarnt, was nur eine Teilwahrheit ist. Das Fruktose-Glukose Verhältnis hängt von der Honigsorte ab. Je schneller ein Honig kristallisiert, desto mehr günstigere Glukose enthält er. So hat zum Beispiel rasch fest werdender Rapshonig viel mehr Glukose als lange flüssig bleibender Akazienhonig. Eine von im Honig enthaltenen Zuckerarten ist Isomaltulose, die keine Karies erzeugt und den Blutzuckerspiegel relativ stabil hält.




Voraussetzung für den Honiggenuss ist jedoch eine artgerechte Bienenhaltung und schonende Verarbeitung ihres Produkts. Der mit dem Goldenen Qualitätssiegel auszeichnete Schweizer Honig erfüllt diese Kriterien – er wird nach strengen Regeln hergestellt und unabhängig kontrolliert.

Den Bienen wird Zugang zu den Nektarpflanzen und Wasser gewahrleistet. Schädlinge und Krankheiten werden nur mit Mitteln bekämpft, die keine bedenklichen Rückstände hinterlassen. Siegelhonig wird reif geerntet und sein Wassergehalt darf nicht 18.5% übersteigen (2.5% tiefer als der gesetzliche Grenzwert). Er wird bei höchstens 35° geschleudert, kalt gelagert und bei höchstens 40° wieder verflüssigt (wenn überhaupt) so dass die Enzyme nicht verloren gehen und sein Gehalt an Hydroxymethylfurfural (potenziell krebserregender Stoff, der sich bei Erhitzung von Zucker bildet) 15 mg/kg nicht überschreit (die Europäische Union erlaubt 40 mg/kg). Das bedeutet auch, dass der Siegelhonig – im Gegensatz zu den meisten ausländischen Honigen – nicht pasteurisiert wird. Die BioSuisse und Demeter Honige sind auch empfehlenswert.



Eine Spezialität ist der Honig von der Dunklen Biene. Als eine natürlich entstandene, einheimische Bienenrasse ist sie auf unsere Klima bestens aufgerüstet. Ihr schwarzer Panzer zum Beispiel lässt sie sich schon mit wenig Sonnenschein erwärmen und damit sogar bei kühlerer Witterung aktiv bleiben. Dank ihrer Anpassung an die lokalen Verhältnisse bestäubt sie auch seltene Pflanzen, die von den aus den warmen Ländern eingeführten Hochzuchtrassen nicht angeflogen werden. Ihr Honig gewinnt dadurch ein besonderes Aroma und sie trägt zur Erhaltung der Artenvielfalt bei.

Die Dunkle Biene war lange die einzige Honigbiene der Schweiz an der Alpennordseite und wurde deshalb zur “Landrasse” genannt. Heute wird sie aber von Bienensterben bedroht und von fremden Bienenrassen verdrängt. Um die Landrasse zu schützen hat Kanton Glarus schon in den 70er Jahren die Haltung anderer Bienenrassen verboten. Mehrere Organisationen wie ProSpecieRara oder Verein Schweizerischer Mellifera Bienenfreunde und Privatpersonen wie Frau Renata Bott aus Val Müstair setzen sich für die Dunkle Biene ein. Die engagierte Imkerin züchtet Königinnen der Dunklen Biene und führt sie in neue Bienenvölker ein um die Bestände dieser alten Bienenrasse zu vermehren. Ihr buntes Bienenhaus kann man auf “Süls stizis da l'uors” (Bären und Bienen Themenweg von Tschierv nach Lü) bewundern.


Ein Tal will hoch hinaus

Artikel im «Beobachter»: Stefan Stöcklin


Wilde Tiere gibt es viele im Val Müstair. Davon zeugt der Name Tschierv, Romanisch für Hirsch, den das Dorf ganz oben im Tal trägt. Nahe Tschierv steht auf einer Lichtung im Lärchenwald das Bienenhaus von Renata Bott. Sie züchtet Dunkle Honigbienen, deren Name von der Färbung des Hinterteils herrührt. Apis mellifera mellifera besiedelte einst den ganzen Alpenraum, wurde aber von neu eingesetzten Arten verdrängt. Bott zieht nun artenreine Königinnen heran und führt sie nach der Geschlechtsreife in neue Völker ein. So will sie die Zahl der Dunklen Bienen vermehren, die sich im Lauf ihrer langen Geschichte an die harte Witterung der Bergtäler angepasst haben.


Honig von den dunklen Bienen

«Basler Zeitung»: Das Münstertal findet zu sich selbst

Von Peter P. Schneider


Fehlt noch der Honig aufs Brot. Wir finden ihn bei Renata Bott in Tschierv. Dreissig Bienenvölker leben in ihrer Obhut, jedes sammelt bis zu elf Kilo Honig pro Jahr. Die Anzahl der Blütenpollen, die dafür angeflogen wird, ist so immens, dass das Münstertal ein einziges Blumenmeer sein muss. Alle Imker verbindet ein Ziel: Die 300 Völker im Tal sollen aus dunklen Bienen, der sogenannten «Landrasse», bestehen. Dazu müssen viele neue Königinnen gezüchtet werden.
Renata Bott zieht die Prinzessinnen mit Gelée royale auf, einem von den Arbeiterbienen produzierten Futtersaft. Gross geworden, werden sie in einem Kistchen auf eine zweiwöchige Hochzeitsreise ins Val Mora verbracht. Da leben DNA-geprüfte, rassereine Drohnen. Sie befruchten die Jungfrauen im Flug. Nach zwei Wochen Highlife werden die Königinnen heimgeführt, und Renata Bott weist ihnen ein Reich im Bienenhaus zu. Die Imkerin beurteilt die Sanftmut, Schönheit und Sauberkeit der neuen Königinnen und vergibt ihnen dafür Noten von eins bis vier. Die Persönlichkeitsprofile hängt sie an den Bienenkasten. In so einem Bienenhaus tun sich ganze Parallelwelten auf.



Bienenhaus

Honig von dunklen Bienen

Dunkle Bienen

Honig

Biene sammelt Pollen

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